Wissenswertes

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Mittelalter

(Quelle, Dank an: https://de.wikipedia.org/wiki/Mittelalter)

Der Begriff Mittelalter wurde in der Form medium aevum („mittleres Zeitalter“) erstmals im 14. Jahrhundert von italienischen Humanisten eingeführt. Die Bezeichnung „Mittelalter“ bezieht sich in erster Linie auf die Geschichte des christlichen Abendlands vor der Reformation, denn der Begriff wird kaum im Zusammenhang mit außereuropäischen Kulturen verwendet. Er bezieht sich also in erster Linie auf den europäischen Kontinent und die Britischen Inseln. Im Groben ordnet man das Mittelalter in die Zeit von 500 bzw. 600 n. Chr. bis etwa 1500 ein.

In Deutschland wird das Mittelalter vornehmlich in drei Hauptphasen gegliedert:

  • Frühmittelalter (6. Jhd bis Mitte des 11. Jhd), die Epoche der Merowinger, Karolinger und Ottonen
  • Hochmittelalter (11. Jhd. bis ca. 1250), die Zeit der Salier und Staufer
  • Spätmittelalter (ca. 1250 bis ca. 1500), nach dem Scheitern der klassischen Kaiseridee (Habsburger und Luxemburger)

Populäre Mythen, Missverständnisse und historische Streitpunkte

Menschen des Mittelalters glaubten, die Erde sei flach.

Diese Behauptung taucht zum ersten Mal in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts auf. Die im Mittelalter maßgeblichen Ideen des Aristoteles und das ptolemäische Weltbild beschreiben die Erde als eine Art Sphäroid, für die Gelehrten des Hochmittelalters war daher die Vorstellung einer „Erdenscheibe“ abwegig.

Menschen im Mittelalter waren ungebildet, rückständig und abergläubisch

Diese Vorstellung trifft auf große Teile der Gesellschaft zu. Im Mittelalter wirkten allerdings auch bedeutende Gelehrte, etwa Albertus Magnus, Thomas von Aquin, Roger Bacon und Meister Eckhart. Die Gründung von Universitäten, der Ausbau der Städte, technologische Fortschritte sowie umfangreiche zeitgenössische Überlieferungen widersprechen der Annahme eines „barbarischen“ Mittelalters.

Arabische Gelehrte brachten die Wissenschaft nach Europa

Nach dem Zusammenbruch des einheitlichen Römischen Reiches gingen viele Werke der antiken Wissenschaftler und Philosophen verloren. Viele davon fanden Eingang in die arabisch-muslimische Welt und lagen in arabischer Übersetzung vor, so dass viele Werke z. B. von Aristoteles und Euklid, die in Europa verloren gegangen waren, erst im Zuge der Reconquista und der Kreuzzüge quasi eine Rückführung nach Europa erfuhren. Dabei profitierte der Westen auch von den Werken arabischer Philosophen und Denker, die noch jahrhundertelang die westliche Wissenschaft entscheidend mitgeprägt haben.

Die wichtigsten Erfindungen stammen allesamt aus China oder Persien

Ebenfalls weit verbreitet ist die Vorstellung, dass wichtige Erfindungen wie Schwarzpulver, Papier, Buchdruck, Armbrust, Kompass und Fernrohr allesamt aus China oder Persien übernommen worden seien. Beim Schwarzpulver und beim Papier war das nachweislich so aber zu den meisten chinesischen Erfindungen existieren europäische Gegenstücke, die oft bis in die römisch-griechische Antike reichen und keinen chinesischen oder persischen Einfluss erkennen lassen. Man geht heute davon aus, dass die meisten dieser Erfindungen keine Kopien oder Übernahmen, sondern eigene Parallelentwicklungen darstellten.

Gewalt, Krieg und Seuchen waren allgegenwärtig; die Lebenserwartung war gering

Obwohl es in Europa zwischen 500 und 1500 zahlreiche Kriege gab, gibt es keine Anhaltspunkte dafür, dass diese mit größerer Brutalität oder Rücksichtslosigkeit als in der Neuzeit geführt wurden. Auch die Vorstellung, die Menschen im Mittelalter seien körperlich klein gewesen, ist heute weitgehend widerlegt. Untersuchungen an Skeletten in den letzten Jahrzehnten haben ergeben, dass die mittelalterlichen Menschen etwa gleich groß waren wie Europäer zu Beginn des 20. Jahrhunderts.

Europa erlebte im Hochmittelalter eine ausgeprägte Wärmeperiode, im Süden Englands wurde Wein angebaut. Erst im 14./15. Jahrhundert verschlechterte sich das Klima während der sogenannten Kleinen Eiszeit; die damit verbundene Mangelernährung wirkte sich in den darauffolgenden Jahrhunderten auf die durchschnittliche Körpergröße aus.

Pest als dominierende Seuche des Mittelalters

Diese Einschätzung ist übertrieben, denn zwischen der Justinianischen Pest und der spätmittelalterlichen Pandemie lagen vom 8. bis zum 14. Jahrhundert mehr als 500 „pestilenzfreie“ Jahre. Laut den neuesten Erkenntnissen der Genetik war der Erreger, der für die spätmittelalterliche Pandemie 1347–1353 verantwortlich war, ein zu dieser Zeit neu entstandener Stamm von Yersinia pestis. Man geht davon aus, dass die extreme Virulenz des mittelalterlichen Yersinia-Typs mit mangelnder Immunität der Bevölkerung und den ungünstigen gesellschaftlichen Verhältnissen zusammenhängt. „Mangelnde Hygiene“ und „Fehlen medizinischer Kenntnisse“ waren demzufolge nicht die alleinigen Ursachen der Pandemie.

Niedere Stände mussten ständigen Hunger, Kälte und unmenschliche Arbeit erdulden

Das Bild vom geschundenen Bauern in zerlumpter Kleidung wurde vor allem durch Filme über das Mittelalter populär. Tatsächlich war das Leben der niederen Stände weniger entbehrungsreich, als heute oft angenommen wird. Der durchschnittliche Fleischverbrauch pro Kopf war im Mittelalter ca. siebenmal so hoch wie im Mitteleuropa des 19. Jahrhunderts und immer noch höher als zu Beginn des 21. Jahrhunderts. Während der mittelalterlichen Warmzeit waren Missernten viel seltener als später, was den sozialen und technologischen Fortschritt sowie die Expansion der Siedlungsräume ermöglichte. Klimatisch und jahreszeitlich bedingte Schwankungen in der Erntemenge und Nahrungsverfügbarkeit gab es zu allen Zeiten, eine permanente Hungersnot lässt sich im Hochmittelalter aber nicht nachweisen.

Abwesenheit der Körperhygiene

Zahlreiche Badehäuser sind in mittelalterlichen Städten archäologisch belegt. In zeitgenössischen Schriften wird zu ausgedehnter Körperpflege und Hygiene gemahnt. Wie auch zu anderen Zeiten und in anderen Ländern war Hygiene eine persönliche Angelegenheit. Besonders im nördlichen Europa finden sich seit dem Frühmittelalter hölzerne Badehäuser und Dampfbäder, wie sie bis heute in Skandinavien und Osteuropa verwendet werden.

Willkür, Folter und Hinrichtungen waren an der Tagesordnung

Die Hexenverfolgung erreichte erst im 16. Jahrhundert ihren Höhepunkt. Bereits der Sachsenspiegel, ein bedeutender hochmittelalterlicher Rechtskodex, offenbart wohlstrukturierte Rechtsverhältnisse, große Teile des Lebens waren geregelt. Bürger und Bauern waren angesichts der bestehenden Rechtsordnungen keineswegs rechtlos.

Ablass

Sündenstrafenerlass. Die Idee des Ablasses entsteht im frühen 12. Jahrhundert. Ablass wurde zunächst gegen Teilnahme an einem Kreuzzug gewährt, später auch gegen Geld oder eine Almosenspende. Im Spätmittelalter entwickelte sich der Ablasshandel zu einer wichtigen Einnahmequelle für Kirche und Kurie.

Abt/Äbtissin

Klostervorsteher/-in

Artes liberales

Die sieben freien Künste sind ein Kanon wissenschaftlicher Disziplinen; ihr Studium war in der Antike freien Männern vorbehalten. Sie setzen sich zusammen aus dem Trivium, das(lateinische) Grammatik, Rhetorik und Dialektik (Logik) umfasst, und dem Quadrivium, bestehend aus Arithmetik, Geometrie, Musik und Astronomie. An den während des Hochmittelalters in Europa entstehenden Universitäten war das Studium der »septem artes liberales« Voraussetzung für den Zugang zu den höheren Fakultäten (Theologie, Rechte, Medizin).

Bischof

Geistlicher Würdenträger, der einem kirchlichen Verwaltungsbezirk (Bistum, auch Diözese genannt) vorsteht. Bischofssitz war stets eine Stadt. Noch heute sind Bischofsstädte erkennbar an den Kathedralkirchen (lateinisch »cathedra« = Sitz). Anders als in Frankreich bekamen die Bischöfe im ottonischen und im salischen Reich von den Königen mitunter auch weltliche Rechtstitel zugesprochen, übten also oft auch weltliche Macht aus. Das Bischofsamt ist das höchste Amt innerhalb der Kirche (Papst).

Dynastie

Herrscherfamilie. Dynastische Strukturen prägten vom Frühmittelalter an die mittelalterlichen Herrschaftsverbände. Die bedeutendsten königlichen Familien im römisch-deutschen Reich waren, in dieser Reihenfolge: die Ottonen (10. und 11. Jahrhundert), die Salier (11. und 12.Jahrhundert), die Staufer (12. und 13. Jahrhundert) sowie nach dem ➞Interregnum die Luxemburger, Wittelsbacher und Habsburger (14. und 15. Jahrhundert).

Eschatologie

Von griechisch »eschaton« = das Letzte/Ende; Wissenschaft von den letzten Dingen/von der Endzeit. Die christlich-mittelalterliche Weltsicht war stark von eschatologischen Vorstellungen beherrscht, wie sie sich etwa in der Offenbarung (Apokalypse) des Johannes finden. 6000 Jahre, so die verbreitete Ansicht, werde die Schöpfung bestehen, bis die Welt untergehe und Christus zum Jüngsten Gericht wiederkehre (Parusie). Auch die Toten, glaubte man, würden an jenem Jüngsten Tag auferstehen und vor den Richterstuhl Christi treten. Danach werde das Reich Gottes anbrechen.

Fron

Von altdt. Fro = Herr; persönliche Dienste, die unfreie Bauern an bestimmten Tagen für ihren Grundherrn (Grundherrschaft) zu leisten hatten – unter anderem zur Saat- und Erntezeit, was den Bauern nicht selten Verluste auf den eigenen Feldern bescherte. Mit Beginn des Hochmittelalters wurden Frondienste allmählich durch Abgaben (Naturalien, später auch Geld) ersetzt.

Fürst

Die Fürsten bildeten die oberste Schicht des mittelalterlichen Adels; aus ihrer Mitte wurde der König gewählt. Ein Fürst ist – im allgemeinsten Sinne – ein an der Spitze eines politischen Verbandes stehender Mann (lateinisch »princeps«). Neben den weltlichen Fürsten, den Herzögen, Landgrafen, Markgrafen (➞Graf) et cetera, standen im Mittelalter geistliche Fürsten: Dazu zählten zahlreiche Bischöfe und auch einige Äbte größerer Klöster, denn vielen geistlichen Würdenträgern waren im Zeitalter der Ottonen und unter den Saliern (Dynastie) weltliche Hoheitsrechte (Regalien) übertragen worden. Als Kurfürsten wurden jene sieben Fürsten bezeichnet, die 1356 in der sogenannten Goldenen Bulle dazu bestimmt wurden, den König zu wählen.

Gilde

Bezeichnung für einen Zusammenschluss von Kaufleuten. So wie den Handwerkern die Zünfte, dienten den Kaufleuten die Gilden zu wechselseitiger Absicherung. Risiken und Gewinne der oftmals gefährlichen Handelsreisen wurden etwa durch die gemeinsame Investition in Handelsschiffe geteilt. Darüber hinaus regelte das Gilderecht das Zusammenleben an den ständigen Wohnplätzen. Viele Bestimmungen aus dem Gilderecht finden sich in mittelalterlichen Stadtrechten wieder.

Graf

Vertreter des Königs in der Grafschaft. Grafen hatten den Schutz des Königs zu garantieren und im Kriegsfall das Heer zu organisieren. Seit dem Hochmittelalter bildeten sich die Grafschaften zu meist kleinräumigen Territorien aus. Die Grafen waren in ihrem Herrschaftsbereich die Vorsitzenden der Gerichte und Vollstrecker der Urteile und richteten auch über diejenigen, die auf dem Königsgut lebten. Je nach spezifischer Aufgabe – von der Grenzsicherung bis zur Verwaltung königlicher Pfalzen – unterscheidet man Landgrafen, Burggrafen, Pfalzgrafen und Markgrafen.

Grundherrschaft

Neben dem Lehenswesen die wichtigste Form sozialer Organisation im Mittelalter. Die Grundherrschaft ist ein Beziehungssystem, in dem ein Herr (König, Fürst, Bischof oder Abt) über Freie und Unfreie gebietet, die er mit mehr oder weniger Besitz ausstattet. Dafür sind entsprechend unterschiedliche Dienste zu leisten. Manche Grundherren hatten mehrere Tausend Untergebene.

Hanse

Im 11. Jahrhundert entstandene Genossenschaft norddeutscher Kaufleute (Gilde). Die norddeutsche Hanse mit ihrer »Hauptstadt« Lübeck, der damals zweitgrößten deutschen Stadt nach Köln , beherrschte bis ins 16. Jahrhundert hinein den Handel zwischen Ost- und Westeuropa. Um die Wende zum 14. Jahrhundert ging aus der norddeutschen Kaufmannsverbindung nach und nach ein mächtiger europäischer Städtebund hervor, zu dessen Kern mehr als 70 Städte zählten, von Brügge im Westen über Köln im Süden bis Danzig und Nowgorod im Osten.

Heiliges Römisches Reich

In den Jahrzehnten nach dem Tod Karls des Großen (768–814) zerfiel das karolingische Reich, das sich von der französischen Atlantikküste im Westen bis zum heutigen Tschechien im Osten erstreckte, in zwei Herrschaftsbereiche: das Frankenreich im Westen und ein ostfränkisches Reich. Das kurzzeitig existierende »Mittelreich« wurde zunächst geteilt und dann dem Osten zugeschlagen. Mit dem Aufstieg der aus Sachsen stammenden Ottonen sowie der frühen Salier und Staufer (➞Dynastie) ging aus dem ostfränkischen Reich dann jenes Herrschaftsgebilde zwischen Nordsee und Norditalien hervor, das seit dem 12. Jahrhundert als Heiliges Römisches Reich bezeichnet und am Ende des 15. Jahrhunderts mit dem Zusatz »Deutscher Nation« versehen wurde.

Seit der Zeit Karls des Großen verstand man im Westen das römische Westreich (und nicht mehr das oströmische Reich mit seiner Hauptstadt Byzanz) als Fortsetzung des antiken römischen Reiches. Durch den Papst selbst, hieß es später, sei die Kaiserherrschaft an den Franken Karl den Großen übertragen worden (»translatio imperii«). Die so begründete Kontinuität zum Römischen Reich hatte eschatologische Bedeutung, denn da das Römische Reich in heilsgeschichtlicher Perspektive als das vierte und letzte Weltreich galt, durfte kein weiteres – außer dem Reich Gottes – folgen.

Das Heilige Römische Reich existierte bis 1806, als der Habsburger Franz II. nach der Niederlage der deutschen Lande gegen Napoleon die Kaiserkrone niederlegte. Zu keinem Zeitpunkt trug es nationalstaatliche Züge, bis zum Ende war es ein Herrschaftsverband, der zahlreiche kleinere und kleinste Herrschaftsbereiche umfasste.

Herzog

Lateinisch »dux« = Führer. Herzöge waren die nach dem König wichtigsten Herrscherfiguren des Mittelalters. Vom Hochmittelalter an wurden die Herzogtümer zumeist vom König im Zusammenwirken mit den Fürsten geschaffen, so das Herzogtum Österreich im Jahr 1156. In vorkarolingischer Zeit (vor 800) hatten sich indes in Bayern oder auch Alemannien sogenannte Stammesherzogtümer herausgebildet, deren Machtanspruch mitunter mit denen der Könige in Konflikt geriet. Seit dem hohen Mittelalter gab es solche Stammesherzogtümer nicht mehr. Die Herzöge gehörten von nun an zu den direkt unter dem König stehenden Reichsfürsten.

Inquisition

Von lateinisch »inquisitio« = Untersuchung. 1231 setzte Papst Gregor IX. erstmals Inquisitoren ein, um häretische (von der herrschenden kirchlichen Lehre abweichende) Lehrmeinungen zu verfolgen. Die Inquisitionstribunale stellten bald eine Art Sondergerichtsbarkeit dar. 1252 erlaubte Papst Innozenz IV. die Folter, um Geständnisse zu erzwingen. Nichtreuige »Ketzer« wurden verbrannt, geständige meist zu Gefängnisstrafen verurteilt. »Hexerei« galt seit dem späten Mittelalter als Häresie; ihren Höhepunkt erreichte die Hexenverfolgung allerdings erst in der frühen Neuzeit.

Interregnum

Zwischenregierung; im engeren Sinne Bezeichnung für die rund 25 »kaiserlosen« Jahre zwischen dem Ende der Herrschaft Kaiser Friedrichs II. in der Mitte des 13. Jahrhunderts und der Königswahl Rudolfs von Habsburg. Zwischen diesen beiden Regentschaften wurden zwar mehrere Könige gewählt, aber keinem von ihnen gelang es, sich als Herrscher durchzusetzen. Den Reichsfürsten und freien Städten brachten die zum Teil heftigen politischen Auseinandersetzungen dieser »kaiserlosen« Jahre einen nachhaltigen Machtgewinn.

Investitur

Akt der Einsetzung in ein geistliches oder weltliches Amt. Im 11. Jahrhundert wurde die Investitur von ➞Bischöfen Gegenstand einer Auseinandersetzung zwischen geistlicher und weltlicher Macht, zwischen ➞Papst Gregor VII. und dem deutschen ➞König Heinrich IV. Zu diesem Konflikt kam es infolge von Reformbemühungen der römischen Kirche. Unter anderem sollte der Einfluss von Laien (Nichtgeistlichen) auf kirchliche Belange zurückgedrängt werden. Dem Königtum wurde dadurch die religiöse Dimension aberkannt, die es für sich beanspruchte – etwa wenn Könige in ihrem Herrschaftsbereich Bischöfe investierten.

Als Heinrich IV. 1075 den Mailänder Bischof einsetzte, entbrannte der Streit mit dem Heiligen Stuhl, der darin gipfelte, dass GregorVII. den Kirchenbann über den König verhängte, was dessen Position im Reich drastisch schwächte. Um vom Bann gelöst zu werden, trat Heinrich seinen Gang nach dem norditalienischen Canossa an. Er schloss mit dem Papst einen Vertrag und wurde vom Bann befreit. Ein Ende fand der Investiturstreit 1122 mit dem Wormser Konkordat, in dem die Bischofsinvestitur in ein weltliches und ein geistliches Zeremoniell geschieden wurde.

Kaiser

Kaiser durfte sich nennen, wer vom Papst zum Kaiser gekrönt wurde. Eine konkrete Erweiterung der Macht brachte der Titel nicht, doch überhöhte er den Gekrönten ideell, indem er ihn in die heilsgeschichtliche Tradition des antiken Römischen Reiches stellte. Am Weihnachtstag des Jahres 800 wurde der Franke Karl der Große als erster westlicher Herrscher zum Kaiser gekrönt; zuvor war Byzanz (Konstantinopel, heute Istanbul) der Sitz der römischen Kaiser gewesen. Vom 10. Jahrhundert an waren die Könige des fränkisch-deutschen Reiches Anwärter auf den Kaisertitel: Als Erster wurde Otto I. (Otto der Große) 962 zum Kaiser gekrönt.

Kloster Tegernsee

Das Kloster Tegernsee ist eine im 8. Jahrhundert gegründete ehemalige Abtei der Benediktiner am Tegernsee in der Stadt Tegernsee in Bayern. Es war bis 1803 die wichtigste Benediktinerabtei Oberbayerns. Heute befinden sich die Gebäude des Klosters als Schloss Tegernsee im Besitz der herzoglichen Linie der Wittelsbacher. Die örtliche katholische Pfarrkirche St. Quirinus war bis 1803 Abteikirche. In den ehemaligen Klostergebäuden befinden sich heute neben einem Restaurant auch das weithin bekannte Bräustüberl der Tegernseer Brauerei und das Gymnasium Tegernsee.

König

Die Frage, wer König wird, entschied nicht allein das dynastische Erbrecht. Der König wurde von den deutschen Fürsten gewählt – zunächst von einer nicht näher bestimmten Versammlung von »Großen« des Reiches, später, wie Karl IV. in der Goldenen Bulle von 1356 festlegte, von den sogenannten Kurfürsten. Sieben waren es an der Zahl: die Erzbischöfe von Mainz, Köln und Trier, der Pfalzgraf bei Rhein, der Markgraf von Brandenburg, der Herzog von Sachsen und der König von Böhmen. Die deutschen Könige des Mittelalters hatten keinen festen Herrschaftssitz, das Reich hatte keine Hauptstadt; stattdessen reisten die Könige über Land, um ihre Herrschaft zu festigen.

Kreuzzug

1095 rief Papst Urban II. zum ersten Kreuzzug auf – zur »Rückeroberung« des von Muslimen eingenommenen Heiligen Landes ( Palästina ). Wiederholt brachen in den Jahrzehnten bis 1291 französische, deutsche, italienische und provenzalische Ritter, aber auch zahlreiche einfache Leute zu einem, wie sie glaubten, »gerechten Krieg« auf; anfangs nach Palästina, später nach Ägypten. Die christlichen Glaubenskrieger wüteten oft nicht erst am Ziel ihrer Reise. So verübten durchziehende Kreuzfahrer mehrfach antijüdische Pogrome. Infolge der Kreuzzüge wurden im Heiligen Land zahlreiche Kreuzfahrerstaaten gegründet, und es entstanden – in ganz Europa – Ritterorden (Templer, Johanniter, Deutscher Orden und andere). Im 14. und 15. Jahrhundert wurde die hochmittel- alterliche Tradition der Kreuzzüge neu belebt – im Kampf gegen die in Palästina und auf dem Balkan vorrückenden osmanischen Türken.

Kurie

Der »Hof« des Papstes, der seit dem späten 11. Jahrhundert den gesamten Verwaltungsapparat des Heiligen Stuhls umfasst.

Lehen

Die Vergabe von Lehen (meist in Form eines Stückes Land) war eine zentrale Herrschaftspraxis des Mittelalters. Ein Lehen erhielt ein freier Mann, wenn er sich in den Dienst eines Herrn begab. Er verpflichtete sich in diesem Zuge, Abgaben zu leisten und dem Herrn mit Rat und Hilfe treu und gehorsam zur Seite zu stehen. Der Lehnsherr gab dem Lehnsmann (Vasall) eine Lebensgrundlage und gewährte ihm Schutz. Über die Vergabe von Lehen versicherten sich etwa die Könige der karolingischen Zeit der Treue von Fürsten; bis ins Spätmittelalter hinein bildete das Lehenswesen die Basis für die Durchsetzung herrschaftlicher Ansprüche. Der oberste Lehnsherr war der König, doch auch Adel und Kirche, die zusammengenommen den überwiegenden Teil an Grund und Boden besaßen, vergaben Lehen. Im Englischen und Französischen wird Lehen von lateinisch »feudum« abgeleitet. Der Begriff Feudalismus schließt im Deutschen indes auch die grundherrschaftlichen Verhältnisse mit ein.

Messe

Markt, der nach einer kirchlichen Messe stattfand. Große Handelsmessen wurden an wichtigen Handelsrouten abgehalten. Zu den bedeutendsten zählten die Messen in der Champagne (am Handelsweg von Italien nach Flandern) und später die Frankfurter Messe, die das Erbe der Champagne-Messen antrat.

Papst

Bischof von Rom und Oberhaupt der katholischen Kirche . Nach frühchristlicher Vorstellung ist der Papst der Nachfolger Petri. Die Grenze zwischen weltlicher und geistlicher Macht war im Mittelalter nicht immer klar definiert. Entsprechend war das Verhältnis der beiden höchsten Gewalten – Papst- und Kaisertum (bzw. Königtum, wie in Frankreich) – zeitweise äußerst konfliktreich. Der Papst krönte den Kaiser; umgekehrt nahmen zahlreiche ➞Könige und Kaiser großen Einfluss auf die Frage, wer Papst wird. Das geordnete Wahlverfahren mit einem Konklave, in dem sich die Kardinäle auf einen Kandidaten einigen, so wie es noch heute üblich ist, hat sich im 13. Jahrhundert herausgebildet.

Pfalz

Von lateinisch »palatium« = Palast. Eine Pfalz ist ein Gebäudekomplex mit Wirtschaftshof und Kirche und diente den umherreisenden Königen als Aufenthaltsort. Der Verwalter der Pfalz sammelte die für den königlichen Aufenthalt zu entrichtenden Abgaben (Servitien). Besondere Bedeutung erlangten Pfalzen, an denen der Herrscher regelmäßig zu hohen Kirchenfesten weilte.

Pfründe

Grundbesitz, der zur Versorgung des Klerus diente. Die Vergabe einer Pfründe (durch die römische Kurie) an Geistliche folgte demselben Prinzip wie die Vergabe von ➞Lehen: Wer ein geistliches Amt (»officium«) übernahm, erhielt dafür Grund und Boden, um seinen Lebensunterhalt bestreiten zu können. Seinen heute negativen Beiklang erhielt das Wort wohl dadurch, dass im späten Mittelalter ein regelrechter Pfründenhandel einsetzte.

Ritter

Ritter waren zunächst nichts weiter als berittene Soldaten. Da die Kosten für Ausrüstung und Pferde sehr hoch waren, handelte es sich in der Regel um sozial höhergestellte Freie, die einen gewissen Mindestbesitz vorweisen konnten oder ein Lehen besaßen. Mit der Zeit entwickelten sich die Ritter zu einer Art Berufskrieger, die neben dem Heeresdienst nicht noch einen Hof bewirtschafteten.

Mit dem im Hochmittelalter aufblühenden Lehenswesen entwickelte sich das Rittertum zu einem eigenen sozialen Stand. Dieser Ritterstand umfasste einfache Dienstmannen, die als berittene Kämpfer in die Schlacht zogen, aber auch Grafen und Herzöge. Vom 13. Jahrhundert an konnte sich dann nur noch Ritter nennen, wer »ritterbürtig« war, also in mehreren Generationen von Rittern abstammte. An den Höfen des Hochmittelalters entwickelte sich zu dieser Zeit eine ritterlich-höfische Kultur, zu der Turnierkämpfe ebenso zählten wie der ritterliche, eine geliebte Frau umwerbende Minnesang. Eine geistliche Aufwertung erfuhr das Rittertum durch die ➞Kreuzzug- bewegung des 11. bis 13. Jahrhunderts.

Schisma

Kirchenspaltung, die eintritt, wenn zwei Vertreter für dasselbe Amt gewählt werden – etwa weil sich rivalisierende Fraktionen der römischen Kardinäle nicht auf einen gemeinsamen Kandidaten für den Heiligen Stuhl einigen konnten, was im Mittelalter nicht selten vorkam. Gegenpäpste gab es seit dem 11. Jahrhundert immer wieder; während des sogenannten Großen Schismas der Jahre 1378–1417 beanspruchten zeitweise sogar drei Päpste die Macht.

Ein Sonderfall ist das sogenannte morgenländische Schisma. Es bezeichnet die Spaltung der Kirche in eine westliche Kirche mit dem Mittelpunkt Rom und eine östliche beziehungsweise griechische mit Byzanz (Konstantinopel, heute Istanbul) als Zentrum. Bereits seit dem Frühmittelalter hatten sich Ost- und Westkirche auseinander entwickelt; Zur Spaltung kam es 1054, als sich der römische Papst und der byzantinische Patriarch wechselseitig exkommunizierten.

Scholastik

Begriff für die im Hochmittelalter entstandene Form wissenschaftlich-theologischen Denkens, abgeleitet von lateinisch »schola« = Schule. Die Scholastiker setzten sich in Form von Kommentierung und Diskussion (»disputatio«) mit philosophischen und geistlichen Texten auseinander. Geschult an den Schriften des griechischen Philosophen Aristoteles (384–322 v.Chr.), versuchten sie, Widersprüche mit logischen Argumenten aufzulösen und die neu rezipierte antike Philosophie in Einklang mit dem christlichen Weltbild zu bringen. Berühmte Scholastiker waren Anselm von Canterbury (ca. 1033–1109), Peter Abaelard (1079–1142), Albertus Magnus (ca. 1200–1280), Thomas von Aquin (ca. 1225–1274) und Wilhelm von Ockham (ca. 1285–1347).

Stände

Nach mittelalterlicher Vorstellung waren die Menschen in gottgegebener Weise ungleich. Auf dieser Idee der Ungleichheit basiert das sich im Hochmittelalter ausbildende Modell einer in drei Stände gegliederten Gesellschaft, das die Menschen in Geistliche (Klerus), Ritter (Adel) und Bauern unterteilt – in »oratores« (Betende), »bellatores« (Kämpfer) und »laboratores« (Arbeiter). Im Kontext der mittelalterlichen Herrschaftsorganisation bezeichnet der Begriff Stände bzw. Reichsstände all jene Gruppen, die Teilhabe an der Macht beanspruchten. Dazu gehörten unter anderem die Kurfürsten, Grafen und Abgesandte der Reichsstädte.

Vogt

Verwalter eines Klosters, der sich um die »weltlichen Angelegenheiten« des Klosterbetriebs kümmerte. Er vertrat das Kloster etwa vor Gericht und kümmerte sich um den militärischen Schutz – Tätigkeiten, die den Nonnen und Mönchen nicht erlaubt waren.

Zehnt

Abgabe (in Naturalien), welche die Bauern an die Kirche zu entrichten hatten. Der Begriff leitet sich von der abzugebenden Menge ab – einem Zehntel der Ernte.

Zunft

Zusammenschluss von Angehörigen eines Handwerks. Die ersten Zünfte entstanden während der großen Zeit des Städtewachstums und der Stadtgründungen im 12. Jahr- hundert. Zunächst erfüllten sie vor allem den Zweck gegenseitiger Hilfe, etwa durch gemeinsames Beten für das Heil verstorbener Mitglieder oder durch Unterstützung in Not Geratener. Später vertraten die Zünfte auch ihre jeweiligen wirtschaftlichen Interessen, kontrollierten Rohstoffe und Produktqualität und beherrschten den lokalen Markt: War ein Handwerk in einer Stadt zünftisch organisiert, durfte niemand außerhalb dieser Zunft ein Handwerk ausüben. Im Spätmittelalter gelangten die Zünfte in vielen Städten auch zu politischer Macht.