Ein buntes Völkchen versammelt sich beim Klosterhoffest Ende Mai in Tegernsee. Dazu gehören die Comites Vagantes, umherreisende Gefährten, die sich den Namen „Cremasteros“ gegeben haben. Hinter diesem rätselhaftem Namen verbirgt sich vor allem Spiel und Spaß für Groß und Klein.

Die Cremasteros Comites Vagantes treten als Reisegruppe verschiedener Charaktere aus dem 14. Jahrhundert auf: Ritter, Mägde, wandernde Gesellen, insgesamt 15 Personen. Ihre Hauptattraktion sind die Bruchenball-Turniere. Dabei handelt es sich ursprünglich um ein Trainingsspiel für Ritterknappen. Darin übten sie die Bergung eines gestürzten Ritters aus dem Kampfgetümmel. Im Training nahm man statt eines Ritters einen großen prallen und schweren Ledersack.

Gespielt wird in der Unterhose

Im heutigen Spiel geht es darum, diesen Sack über die gegnerische Linie zu bringen. Es treten zwei Mannschaften zu je vier Personen gegeneinander an. Die Regeln ähneln dem des Rugby: Voller Körpereinsatz ist erlaubt. Nur kratzen, beißen, schlagen und treten, in die Augen drücken und dergleichen mehr ist verboten.

Gespielt wird in der Unterhose, das heißt in der mittelalterlichen Unterhose, die damals Bruoch hieß und eher einer Boxershort glich. Daher der Name Bruchenball. Die Cremasteros haben im Vorfeld bei verschiedenen Vereinen – z. B. bei Sportvereinen und Burschenvereinen – nachgefragt, ob sie nicht mit einer Mannschaft teilnehmen wollen. Am Donnerstag findet die Vorrunde statt, am Freitag das Finale. Am Samstag gibt es vielleicht ein Spaßspiel oder eine Damenrunde.

Ihren Namen haben die Cremasterios von einem Muskel

Auch für die Kinder haben die Comites Vagantes einen harmloses Kampfspiel im Programm: das so genannte „Wikingerschach“. Zwei Spieler versuchen, sich gegenseitig mit gepolsterten Stöcken von einem kleinen Brettchen zu schubsen.

Im Zeltlager der Reisenden Cremasteros gibt es einen Stand mit selbstgemachten Salben und anderen medizinischen Rezepturen. Dort kann man sich über die mittelalterliche Kräuterlehre informieren, die Theorie des Aderlasses kennenlernen und interessante Details erfahren, etwa über das erste Antibiotikum, das damals schon aus Ochsengalle, Zwiebeln und Wein hergestellt wurde.

Die Cremasteros wissen die Antwort auf manches Rätsel, auch auf die Frage, wie sie zu ihrem Namen gefunden haben. „Reiseleiter“ Rainer Hanke, im 21. Jahrhundert von Beruf Physiotherapeut, hatte beim Anblick des Ledersacks für das Bruchenspiel eine Gedankenverbindung zu einem menschlichen Muskel, dem Musculus cremaster, der… aber das fragen Sie ihn am besten selbst, im Lager der Reisenden auf dem Kosterhoffest.