Natürliche Materialien erleben eine Renaissance. Kleidung und Accessoires aus Wolle und Leder „leben und atmen“. Und schön sind sie auch. Wie sie hergestellt werden, zeigen auf dem Fest zum 1000jährigen Bestehen des Klosterhofs die „Monifaktur“ und die „Manäfaktur“.

Die Monifaktur, das ist eigentlich Monika Graf. Schon seit vielen Jahren beschäftigt sich Moni, die in ihrem bürgerlichen Beruf Arzthelferin ist, mit dem „Nadelbinden“. Das ist die älteste Technik, Wolle in Kleidungsstücke, vor allem Socken, Handschuhe und Mützen, zu verwandeln. Das Stricken wurde erst im 14. Jahrhundert erfunden und setzte sich erst im Verlauf des 15. und 16. Jahrhunderts im Abendland durch.

Zum Nadelbinden braucht man Schurwolle

Der Unterschied des Nadelbindens zum Stricken besteht darin, dass man nur eine Nadel braucht. Der Vorteil gegenüber der Strickware ist, dass ein Loch im Gewebe nicht gleich zur Auflösung des gesamten Kleidungsstücks führt. Allerdings eignet sich nur ein Material für diese Technik. Denn beim Nadelbinden werden ein bis zwei Meter lange Gewebestücke aneinander gefilzt. Das funktioniert nur mit Schurwolle.

Gelernt hat Monika Graf das Nadelbinden im VikingeCenter, einem 1992 gegründeten Freilichtmuseum bei der Stadt Ribe in Dänemark, wird diese Kunst gelehrt. In Skandinavien und im Kosovo haben die Leute bis heute das Wissen um die Kunst des Nadelbindens von Mutter zu Tochter weitergegeben. Dort ist es lebendiges Kulturgut.

Accessoires für Mittelalterfreunde

Zur Monifaktur gehört die Manäfaktur. Dahinter steht Monikas Mann Manfred, genannt „Manä“. Passend zum Handwerk seiner Frau fertigt er in altertümlichem Lederhandwerk möglichst authentische Accessoires für Mittelalterfreunde: Taschen, Gürtel, Schwertscheiden und Schwertgehänge. Dabei orientiert sich die Manäfaktur an mittelalterlichen Vorlagen, vor allem an originalen Wandmalereien und Abbildungen in der Buchkunst. Manfred Graf, der eigentlich gelernter Buchdrucker und jetzt der sportliche Leiter des Sport- und Fitnessparks in Miesbach ist, hat einen starken familiären Bezug zum Leder als Werkstoff. Sein Urgroßvater war Sattler, sein Großvater Schumacher. Und auch sein Wissen um die Buchkunst hat ihm geholfen. Wie man Prägungen anfertigt, hat er in seiner Ausbildung gelernt.

Die Gewänder sind nahe am Original

Auch ihre mittelalterliche Gewandung orientiert sich an authentischen Vorlagen. Zusammen mit dem „Verbund Germani“ einer Vereinigung von Mittelalterfreunden, zu der auch die Grafs gehören, zeigen sie in ihrem Zeltlager Trachten aus der Zeit zwischen dem 8. und dem 10. Jahrhundert. Auf diese Weise tragen sie dazu bei, das Leben um das Jahr 1017 vorzustellen und das Klosterhoffest bunt und interessant zu gestalten.