Ein Tegernseer Mönch war weit über die Region für seine Fertigkeiten in einem mittelalterlichen Strategie-Spiel, genannt Rithmomachie , bekannt. Heute könnte es wieder modern werden.

Das finstere Mittelalter- Ritter, Könige, Inquisition, Klosterleben, Pest und Folterkeller. Mit diesen Schlagworten wird die Zeit des Mittelalters, zwischen Antike und Neuzeit, also ungefähr dem 6. und dem 15. Jahrhundert häufig eingeordnet. Es ist aber auch die Zeit der Kathedralen, der gregorianischen Gesänge, der Beginn der Kräuterkunde und der Minnesänger.

Gelehrte und adlige Mönche

Und natürlich der Gründung des Klosters in Tegernsee. Das Kloster Tegernsee ist eine im 8. Jahrhundert gegründete ehemalige Abtei der Benediktiner am Tegernsee. Die legende wie sie im Passio Sancto Qurini vom Ende des 9. Jahrhunderts überliefert ist, besagt, dass zwei Brüder, Oatkar und Adalbert aus der Adelsfamilie Huosi die erste Kirche und Glaubensgemeinschaft gegründet haben.

Sie lebten zur Zeit des Königs Pippin mit ihren Familien bei Hofe. Der Sage nach überlistete der König den Oatkar nach dem er dessen Sohn erschlagen hatte, diese Greueltat hinzunehmen. Der König hatte des Sohn nach einem verlorenen Schachspiel erschlagen und sich vom Vater die Absolution durch eine List erschlichen. Oatkar flüchtete sich mit seinem Bruder an den Tegernsee und entsagte der weltlichen Macht. Was von der Legende der Wahrheit entspricht ist strittig.

Tegernseer Meister

Mönch Werinher von Tegernsee war im 12.Jahrhundert Mönch in dem Benedktiner Kloster. Der ehemalige Schulleiter des Tegernseer Gymnasiums, Hans-Herbert Perlinger, hat einiges zu dem Spiel und dem Mönch sammeln können. So weiß er:

„Die Benediktiner im Kloster Tegernsee pflegten und beherrschten das Spiel offenbar ganz besonders gut. Werinher von Tegernsee muss ein profunder Kenner und Meister dieses Spiels gewesen sein und begegnet uns als Autor einer Zusammenfassung aller damals bekannten Varianten dieses Spiels.“

Bei dem Spiel handelt es sich um ein „Zahlenkampfspiel“. Allerdings wurde es pädagogisch wohl mehr geschätzt als das auch damals schon bekannte Schachspiel. Denn es war das einzige Spiel, das in den Lehrplan der mittelalterlichen Schulen und Universitäten aufgenommen wurde.

Das Zahlenkampfspiel (lateinisch numerorum conflictus oder griechisch-lateinisch rithmomachia oder Rithmomachie, später auch Philosophenspiel) war ein mittelalterliches Brettspiel, basierend auf den Harmonietheorien des Boëthius.

Pädagogisch wertvolles Kampfspiel

Besonders beliebt war der Gebrauch zu didaktischen Zwecken in den europäischen Domschulen, um Arithmetik, Proportionenlehre und Musiktheorie spielerisch zu erlernen. Seine Popularität hielt bis weit ins 16. Jahrhundert an.

Die Erfindung des Spieles wird ebenfalls einem Mönch zu geschrieben. Würzburger Geistlichen namens Asilo soll Rithmomachie um 1030 erfunden haben. Es soll ein wichtiger Im Streit zweier wichtiger mittelalterlicher Ausbildungsstätten gewesen sein.

Den Ausgangspunkt bei der Erfindung des Zahlenkampfspiels bildet der sogenannte Wormser Schulstreit. Hierbei handelte es sich um eine Auseinandersetzung zwischen den Domschulen zu Worms und Würzburg. Die beiden Schulen warben durch einen Gelehrsamkeitsstreit um den Zulauf aus der adligen Elite und so um finanzielle Zuwendungen.

Rithmomachie_Schaubild

Spiel für helle Köpfe

Da die Regeln des Rithmomachie auf ein mittelalterliches Zahlenverständnis und -system zurückzuführen ist, ist es für uns heute äußerst komplex nachzuvollziehen. Weit von der Unwissenheit entfernt, die man gern mit dem Mittelalter verbindet.

Wer sich in das Regelwerk einarbeiten will, muss bei Wikipedia https://de.wikipedia.org/wiki/Zahlenkampfspiel forschen oder diese englischen Seiten konsultieren. (http://jducoeur.org/game-hist/mebben.ryth.html).
Oder aber er versucht diese Version auf seinem iphone: https://itunes.apple.com/de/app/rithmomachia/id544328265?mt=8