Die ersten Ansiedlungen am Tegernsee sind seit dem Mittelalter urkundlich belegt. Legenden ranken sich um die Gründung des Klosters und echte Helden schrieben hier Geschichte. Das Tal birgt einige Mysterien.

Der Blick von Gut Kaltenbrunn auf ein Tal mit Geschichte(n)

Der Blick von Gut Kaltenbrunn auf ein Tal mit Geschichte(n)

Das Kloster Tegernsee ist eine im 8. Jahrhundert gegründete ehemalige Abtei der Benediktiner am Tegernsee. Die Legende, wie sie im Passio Sancto Qurini vom Ende des 9. Jahrhunderts überliefert ist, besagt, dass zwei Brüder, Oatkar und Adalbert aus der Adelsfamilie Huosi die erste Kirche und Glaubensgemeinschaft gegründet haben.

Sie lebten zur Zeit des Königs Pipin mit ihren Familien bei Hofe. Der Sage nach überlistete der König Oatkar, nachdem er dessen Sohn erschlagen hatte, diese Greueltat hinzunehmen. Der König hatte den Sohn nach einem verlorenen Schachspiel ermordet und sich vom Vater die Absolution durch eine List erschlichen. Oatkar flüchtete sich mit seinem Bruder an den Tegernsee und entsagte der weltlichen Macht. Was von der Legende der Wahrheit entspricht, ist dabei strittig.

Die Gründer des Klosters am Tegernsee waren zwei Brüder.

Die Gründer des Klosters am Tegernsee waren zwei Brüder.

Zu gleich erweiterten die beiden aber ihren kirchlichen und sicher auch wirtschaftlichen Einflussbereich erheblich und dehnten ihn über die Landesgrenzen bis nach Tirol und Niederösterreich aus. Auch am Tegernseer Tal bauten sie ihren Grundbesitz aus.

So befand sich das Gut Kaltenbrunn ursprünglich im Besitz des Klosters Tegernsee. Im Jahr 1346 wurde es an einen Privatmann namens Puchmair verkauft. Seinen Namen erhielt das Gut von einer 1411 zugezogenen Bauernfamilie aus Kaltenpronn, die das Anwesen über mehrere Generationen bewirtschaftete.

Kaltenbrunn wurde mehrfach verkauft, bis 1777 das Kloster Tegernsee unter Abt Gregor I. es zurückkaufte. Das Kloster richtete das Gut an der Milchviehzucht aus. Mittlerweile ist es – mit Pausen – ein bekanntes Ausflugslokal unter Bewirtschaftung eines bekannten Gastronomen, gehört aber der Münchner Schörghuber-Gruppe.

Untergang und Auferstehung

Das Leben im Kloster Tegernsee erlosch bereits nach der Säkularisierung im 10. Jahrhundert. Allerdings wurde es bereits im frühen 11. Jahrhundert dann wieder zur Benediktiner-Abtei Im Jahre 1410 brannte das Kloster ab. Der größte Teil der Klostergebäude zwischen Kirche und See verfiel nach der Säkularisation.

1803 ersteigerte Generalpostmeister Carl Josef Graf von Drechsel den gesamten Klostertrakt. Er ließ den Westteil niederreißen und das Kupfer der Dächer entfernen. Allein damit hatte er den Kaufpreis wieder eingenommen.

Der ehemalige Psalierchor, dann Herzögliche Bibliothek. Hinter der Wand am entgegengesetzten Ende befindet sich der Hochaltar der Tegernseer Pfarrkirche.

Der ehemalige Psalierchor, dann Herzögliche Bibliothek. Hinter der Wand am entgegengesetzten Ende befindet sich der Hochaltar der Tegernseer Pfarrkirche.

1817 kaufte König Maximilian I. Joseph die Trakte zu beiden Seiten der Kirche. 1822 empfing er hier Zar Alexander I. von Russland und Kaiser Franz I. von Österreich zu einem kurzen Treffen. Der König ließ das Bauwerk 1823/24 durch Leo von Klenze umgestalten und errichte hier einen Landsitz.

Wahre Helden

Aber auch in der Neuzeit ranken sich immer wieder spannende Geschichten um das Tegernseer Tal. So hatte die New York Times vor sechs Jahren über eine Begebenheit berichtet, die sich in den letzten Tagen des Zweiten Weltkrieges zugetragen hatte. Am 3. Mai 1945, fünf Tage vor Kriegsende, bewegte sich die US-amerikanische Artillerie auf Tegernsee zu mit der Absicht die Stadt zu beschießen und so wohl völlig zu zerstören. Sie waren zuvor von SS-Truppen beschossen worden.

Die US-Truppen hatten in den Tagen zuvor gesehen, zu welchen Gräueltaten die SS fähig war. Aus diesen Gründen waren sie entschlossen, das Feuer mit aller Härte zu erwidern. Doch kurz bevor das Schießen begann, kam ein einzelner deutscher Soldat auf die Amerikaner zu. Er trug eine weiße Fahne. Es war Major Hannibal von Lüttichau, Kommandant einer Panzer-Division.

Vertrauen zum Feind

Die Amerikaner hörten sich an, was von Lüttichau zu sagen hatte. Dieser berichtete, dass die SS-Truppen geflohen seien und in der Stadt und im Tal nur noch verwundete, unbewaffnete Soldaten und bis zu 12.000 Zivilflüchtlinge lebten. Ein Beschuss hätte in einem Massaker geendet.

Der amerikanische Kommandant glaubte dem Deutschen und wagte es selbstlos, sich persönlich von dessen Angaben zu überzeugen. So wurden die Stadt und das Tal vor dem Artillerie-Beschuss bewahrt. Dazwischen liegen unendlich viele Geschichten, die auch noch erzählt werden wollen.